Erinnere Dich…

Beim letzten Bohmschen Dialog hatte ich zum Schluss den Einfall für folgendes Gedicht.

Ich glaube wirklich, wir sind hier auf dieser Erde, um uns immer und immer wieder einfach nur zu erinnern… gegenseitig in Freude, Wertschätzung und Wohlwollen daran zu erinnern, was wir hier wollen, wer wir sind, welche Wunder wir erleben können… an was auch immer… Dir gerade wichtig ist…

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Erinnere Dich…

…lass es EINFACH sein.
…lass es einfach SEIN.

…leicht sein –
…Leicht.sinn –

sinn.los –
…lass los!

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In diesem Sinne…
Eure Susanne

Vom Umgang mit Gefühlen…

…und Wespen…

 

Ich war erst vor kurzem bei einem Meditations Retreat, fernab von aller Hektik, schweigend, zur Ruhe und Stille kommend… und dabei ist mir folgendes aufgefallen:

Die Art, wie wir mit Wespen umgehen, könnte ein Spiegel dafür sein, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen.

Wie komme ich darauf?

Als ich am Retreat-Ort ankam „besuchten“ mich direkt die Wespen aus der Umgebung.

Sie flogen sehr gezielt und direkt auf mich und vor allem auf meinen Kopf zu! „Hilfe! Angst und Panik!“

Geplagt von der Erinnerung einer mal da gewesenen, sehr heftigen Reaktion auf den Stich einer Erdwespe, die aus versehen in mein Hosenbein geflogen war und mich am Unterschenkel gestochen hatte, versuchte ich diesem „Angriff“ zu entkommen. Ich atmete schneller, drehte mich weg, machte seltsame schrille Geräusche, doch bis auf die Tatsache, dass nur ich langsam die Orientierung verloren hatte, passierte nichts. Die Wespe surrte weiterhin fleißig um mich herum und „verfolgte“ mich…

Irgendwann hatte sie dann wohl genug von dem Tanz und flog davon.

Später am Esstisch: ähnliche Situation. Gut nur, dass es beim Essen ebenso die Auflage ist ruhig und still zu sein… so sprang ich nicht auf, fuchtelte nicht herum und wimmerte auch nicht mehr… zumindest nicht so laut…

Ich spürte, wie sich bei der Annäherung der Wespe an meinen süßen Hafer-Frühstücksbrei all meine Muskeln anspannten, mein Atem schneller ging, die Panik-Reaktion in mir wieder startete, bis zur völligen Erstarrung, bis die Wespe wieder von Dannen zog.

Puh – geschafft! Ich habe den „Angriff“ überlebt!

Hm… ???

Irgendwann im Zendo, dem Ort an dem man in der Regel 25-35 Minuten völlig regungslos und still in der Meditation sitzt, mit einem ruhigen Atem, den Fokus auf das Jetzt, den Blick leicht gesenkt vor sich auf den Boden… irgendwann dann, hörte ich sie kommen…. *surrrrrr*

In meinem Kopf überschlug es sich: „Ja, was mach ich denn jetzt? Was mache ich wenn die Wespe auf mich zu kommt, sich irgendwo in meinem Gewand oder in meinen Haaren verheddert und plötzlich aus eigener Überlebensangst-Panik wieder zusticht… und ich – keine Ahnung wie stark – auf den Stich reagiere, vom Kissen falle weil ich keine Luft mehr bekomme…???!!!“

Meine Gedanken gingen weiter: „Hm… und, wenn ich einfach, weiterhin ganz still sitzen bleibe? Also so richtig still, so richtig durch und durch achtsam und mich und die Wespe beobachte in dem ich spüre oder höre, wo sie gerade ist und fühle und wahrnehme, was alles dabei in mir passiert? Das müsste doch eigentlich gehen? Denn stechen tun sie doch nur, wenn sie plötzlich selbst Todesangst haben… und wenn ich mich wirklich so gar nicht bewege, dann sollte ich sie auch nicht versehentlich einquetschen oder so was…“

Einen Versuch war es wert.

Einfach ganz still sitzen bleiben und lauschen.

Gesagt getan. Die Wespe war deutlich zu hören… und ich erwartete sie ganz achtsam… und… sie kam gar nicht zu mir… „So ein misst, jetzt kann ich gar nicht testen, was ich mir ausgedacht habe!“ (Wie schnell sich so Gedanken doch ändern können. 🙂 )

Dafür konnte ich andere im Kreis sehen, zu denen sie flog, denn ihre Bewegungen waren auch in meinem äußeren Sichtfeld, außerhalb meines Fokuspunktes noch gut für mich wahrnehmbar. Fuchteln, wegpusten, wegdrehen… der ein oder andere blieb auch einfach sitzen, regungslos und es passierte: Nichts.

„OK, dann wenn schon nicht auf dem Meditationskissen, vielleicht hab ich mit meinem Test beim nächsten Essen mehr Glück.“ Ja, hatte ich.

Eine Wespe kam, wollte sich an meiner Currysuppe und dem Salat zu schaffen machen, surrte dazu einmal um meine Hand mit dem Löffel drum herum und inspizierte alles. „Ok, jetzt einfach sitzen und stillhalten und beobachten, lauschen – was passiert, was kann ich sehen, was kann ich wahrnehmen?!“ Offen und neugierig… und angespannt… und mit einer weniger hohen Atemfrequenz wie sonst und mit weit weniger Panik als sonst, denn nun war ich neugierig!

Ich konnte schließlich sehr oft üben auf dem Retreat. Auf dem Kissen bei der Meditation, im Essenssaal, im Garten… überall gaben mir die Wespen die Möglichkeit zu üben besonders achstam und still zu sein.

Und dann hatte ich plötzlich Zeit für die Beobachtung der Anderen.

Vor allem beim Essen. Da wurde wie wild gepustet, gefuchtelt… ärger stand den Menschen auf dem Gesicht oder Panik… und ich fragte mich in der meditativen Stille, die ich schließlich in mir gefunden hatte:

Ist die Art, wie wir mit den „unliebsamen“ Wespen umgehen ein Spiegel dafür, wie wir mit „unliebsamen“ Gefühlen oder Situationen umgehen?

Ich drösle meine Gedanken hierzu mal auf:

  • wir haben vielleicht mal eine schlimme Erfahrung damit gemacht
  • wir haben vielleicht mal sehr unangenehme Schmerzen dadurch erfahren
  • wir haben von niemandem gezeigt bekommen, wie wir entspannt damit umgehen können
  • wir wissen nicht, wann es „zusticht“
  • wir können ihm/ihr nicht in die Augen blicken
  • das Beste wäre, man wäre die Plagegeister los
  • wenn ich sie wegpuste oder wegschlage… dann sollen sich doch andere darum kümmern
  • wenn ich mich wegdrehe, davon laufe… vielleicht lässt es mich dann in Ruhe…
  • wenn sie im Schwarm kommen, weiß ich gar nicht mehr, wo ich hinsehen soll, auf was ich zu erst achten soll…
  • wenn es zu laut ist (z.B. in der Stadt) kann ich überhaupt nicht mehr hören, wo sie sich (wo ich mich) gerade befinden (befinde), wo ich in Gefahr sein könnte…
  • sie stürzen sich auf alles, was sie irgendwie nährt…
  • sie verursachen möglicherweise starke Schmerzen, wenn sie nicht gesehen und bedrängt oder gar getötet (komplett unterdrückt) werden
  • … Liste beliebig zu ergänzen. 🙂 Für Gefühle und Wespen!

Und die andere Seite, bei der achtsamen, lauschenden Beobachtung:

  • sie zeigen sich aufgeweckt, erfinderisch, geschickt
  • sie reinigen und pflegen sich fast unentwegt (schon mal beobachtet wie großartig akribisch so eine Wespe ihre Fühler säubert, nachdem sie das Marmeladenbrot inspiziert hat?)
  • sie versuchen mit aller Macht am Leben zu bleiben
  • sie machen sich lautstark bemerkbar, sie kündigen sich also sogar freundlicher Weise vorher an!
  • sie sorgen dafür, dass wir am Leben bleiben (siehe für Wespen dazu auch den Text auf bento: http://www.bento.de/nachhaltigkeit/wespen-warum-sie-es-nicht-verdient-haben-das-hassobjekt-des-sommers-zu-sein-2741915/)
  • sie kommunizieren miteinander
  • … und auch hier ist „sie“ beliebigt durch Wespe, Gefühl, Situation auszutauschen

 

Ich möchte also folgendes vorschlagen/postulieren:

Wenn wir es schaffen achtsam und behutsam mit Ruhe und Neugierde die weiteren Begegnungen mit Wespen in diesem, schon wieder bald endenden Sommer zu erleben, so glaube ich auch daran, dass wir lernen werden anders mit unseren Gefühlen und vielleicht unliebsamen Situationen umzugehen.

Ist es möglich einfach nur ganz still zu lauschen, der Wespe, dem Gefühl, der Situation?

…ohne zu bewerten, ohne voller Panik in den Angriffs- oder Fluchtmodus zu wechseln?

…einfach nur zu lauschen: neugierig, still und voller Ruhe beobachtend?

…ich gebe Euch einen kleinen Tipp:

Ja, es ist möglich… wenn auch nicht immer zu 100%, doch möglich ist es immer…

Nur die Entscheidung liegt ganz allein bei Dir.

…und oft ist es Verdeckt unter starken Mustern, Überzeugungen und anderem mehr.

 

Viel Freude beim Erleben!

Mit lieben, bunten Sommergrüßen…

Eure Susanne

Trotz-dem

Unglaublich, dass es schon wieder so lang her ist, dass ich meinen letzten Beitrag geschrieben habe… doch es war einiges los… und trotz-dem hab ich den Blog nicht vergessen, auch wenn ich hier nicht aktiv geschrieben habe… und auch wenn ich nicht aktiv andere Seiten, denen ich folge, geliked habe…

Ich habe trotz-dem gelebt.

Und gerade heute habe ich recht viel Trotz gespürt und etwas für mich entdeckt und erlebt… was es mir sehr wert ist, mit Euch zu teilen…

Mein Erleben:

Das Gefühl von Trotz kommt nicht einfach so.

Wer sagt eigentlich, was Trotz ist? Wann ist welches Verhalten als Trotz einzustufen?

Ich wehrte mich also den ganzen Tag vor dem Gefühl und kam und kam nicht weiter, merkte, wie ich immer grummeliger wurde und sich alles immer schwerer und lästiger anfühlte.

Nun bin ich seit einiger Zeit auf dem Pfad, meinem Genuss zu folgen (das wird noch einen eigenen Blog-Eintrag geben)… und so fragte ich mich: „Was kann ich an dieser Situation genießen, jetzt hier an diesem Trotz?“

Und in letzter Zeit zeigt sich mir immer wieder, wenn ich ein Gefühl voll auskoste, mich also nicht mehr davor wehre und zurückziehe, dann kann ich plötzlich, egal welches Gefühl dies ist, mich voll und ganz genießend hingeben.

Klingt absurd, ist mein Erleben. Probier es selbst aus, wenn Du magst!

So murmelte ich also nun „Ich will nicht!“ vor mich hin… immer und immer wieder, so lang, bis das Gefühl so richtig greifbar war. Wut und Tränen stiegen auf und vor allem Bilder und tiefe Gefühle von einer Zeit als Kind…

Wenn der ganze Körper schmerzt, weil das System weiß, nein, das ist nicht das, was jetzt passieren sollte… es ist nicht meine Zukunft, die hier geschieht… hier wird Potential ertränkt, eingesperrt, verstümmelt… hier wird Leben vernichtet in dem jeder neue Trieb sofort unterbunden wird… weil es in diesem Moment vermutlich einfach nicht in das gewählte Konzept der Eltern oder sonstiger zum jeweiligen Zeitpunkt verantwortlicher Personen passt.

Und dann leidet die Seele, weil sie ein Korsett anziehen muss, damit sie irgendwie überlebt.

Aus meiner Sicht existiert Trotz gerade nicht.

Für mich ist Trotz gerade eine, vielleicht sogar die derzeit beste und stärkste, Offenbarung des Lebens selbst!

Das gleiche Gefühl entsteht, wenn ich mir vorstelle, meine Hand auf eine glühende Herdplatte legen zu müssen, weil mir das jemand befielt… Es ist ein Überlebens-Widerwille der sich bei der Imagination in mir zeigt.

Meine Brust schnürrt sich zu, mein Verstand überschlägt sich beim Suchen nach einer Lösung… meine Stimme versagt, meine Muskeln werden steif… die einzig mögliche Reaktion ist es dann trotz-dem voll Energie erstickte Wut und Trauer herauszupressen… zumindest war es das, was als Kind noch ging… was nun als Erwachsene unterdrückt, eingepresst, wegsortiert wird…

Denn, wer will schon als Erwachsener wirken wie ein trotziges Kind?

Wenn das nicht eines der Ur-Sprünge von De-Pression ist, dann hab ich wohl einen echten Schaden…

Nur springt da nichts mehr… sondern es ist hart, versteift, leblos…

Der Trotz ist das Leben selbst,

dem Du es zu verdanken hast,

dass Du am Leben bist!

Trotz-freche liebe Grüße

Susanne

Dein Wortgewandt

Dein Wortgewandt

Wenn Worte an dir kleben, wie Wüstensand auf schweißfeuchter Haut
Wenn Denkstrukturen Käfige weben aus kalten Stahlseilfäden
Dich zu umgarnen versuchen in ihrem zugigen Hohlraum
Dich mit ahnungsloser Lehre beschwichtigen wollen
Dir vorgaukeln ein jedes Wort trägt Sinn und Lösung mit sich
Dann hast du dich selbst verhüllt in eine wörtliche Rüstung
In dein Wortgewandt.

Beende die Erklärungen der Welt, denn sie erklärt sich von selbst
Sobald du lauschst
Dem Gefühl, fernab von Gedanken und Geist
Sobald du spürst
Das Kribbeln auf der Haut, als Verbindung zwischen dir und der Welt
Sobald die Stille hervortritt
Sich einen Weg durch noch ungesagte Worte bahnt
Die Gewandtheit beiseite schiebt
Die Unsicherheit präsentiert
Die Verletzlichkeit bewahrt
Die Unzulänglichkeit anerkennt
Und selbstlos und nackt sich selbst er-lebt.

Merry Christmas

Merry Christmas to everyone!

 

Eigentlich ist mir so gar nicht nach Weihnachten… und ich spare mir die Geschenkorgien, die vielen Nachrichten über diverse Kanäle… Ich möchte zu jeder Zeit mit den Menschen verbunden sein, nicht nur an Weihnachten… und ich möchte aufhören, zu geben, nur weil ich glaube, damit Erwartungen zu befriedigen…

Ich gebe, wenn mein Herz dazu bereit ist.

Möge die Klarheit und Schönheit eines jeden Augenblicks Dein Herz umfangen.

 

In besinnlicher Liebe

Susanne

Wahr-Nehmung

Wahr-Nehmung

In einer Welt voll Täuschung und Tauschgeschäft –
Mit Menschen voll Leib und Leiden – schafft
Man sich einen kleinen Raum, den sieht man kaum.

In einer Welt voll Erfolgsversprechen und Folgsamkeit –
Gefolgt von Trauer und Freude zur eig’nen Einsamkeit –
Nehmen wir an sich Wahr – Heit – erkeit
Der beste Weg im Leben, ist zu geben.

In einer Welt voll überreiztem Sinnlosigsein und Marketingschein –
Fällt es schwer zu glauben – an den Einen, wie die Vielen –
Verhüllt in Konzepte an-zu-nehmen, statt Wahrheiten ein-zu-sehen.

 

Just Stay

Bleib da wo du bist, mit dem was ist.

Ich erkenne immer mehr, dass es uns oft daran fehlt, wahrzunehmen was ist und stattdessen krampfhaft sehen zu wollen, was wir erwarten…

Und wird die Erwartung nicht erfüllt, so gestehen wir uns das nicht mal ein und sind dennoch sauer oder zumindest sehr unzufrieden darüber.

Lässt sich das ändern und woher kommt es?

 

Die Erwartung ist nichts weiter als die gewünschte Erfüllung eines Konzeptes.

Wir haben in unserem Leben verschiedene Begriffe gelernt…  wie z.B. Leben, Arbeiten, Freizeit, Lieben, Hassen, Reichtum, Erfolg, Beziehung, Freundschaft (diese Liste kann beliebig fortgeführt werden)…

Jeder Begriff beinhaltet ein Konzept, eine Art Agenda, was sich hinter dem jeweiligen Wort verbirgt, welche Eigenschaften zu erkennen sein müssen, damit der Begriff nutzbar wird.

Stellt Euch vor, dass jedes meiner Worte, die hier stehen, eine Extra-Erklärungsliste beinhaltet, auf der genau steht, was es sein muss, was sich dahinter verbirgt.

Vermutlich wird für jeden, der das hier liest, diese Liste mit leicht anderen Erklärungen je Wort gefüllt sein, je nach dem, woher er die Informationen gesammelt hat, wieviel eigene Erfahrung und Färbung seiner Mitmenschen er der Erklärung hinzufügt…

Doch vermutlich wird sich die eigene Wahrnehmung zu einem Wort bei niemandem erklären lassen. Was ist Leben ohne das jetzt bekannte Konzept von Leben für Dich? Was ist Arbeiten ohne diese bestehenden Konzepte? Wie sieht eine Beziehung aus, bzw. wie fühlt sich eine Beziehung an, ohne die gelernten Erwartungen und Konzepte zum Wort Beziehung?

Natürlich ist es für die zwischenmenschliche Kommunikation total wichtig, dass wir Worte definiert haben, dass bestimmte Eigenschaften festgelegt sind und doch vermisse ich, wie wir lernen mit mehr Wahrnehmung damit umzugehen.

Eine Möglichkeit den eigenen Konzepten auf die Schliche zu kommen, könnt Ihr mit der folgenden Übung ausprobieren:

 

Was passiert, wenn ich meine Konzepte benenne und einfach mit der Wahrnehmung darüber in Kontakt bleibe? – Eine Übung

Stell Dir vor, Du hast ein Konzept, z.B. von „Arbeiten“.

Erstelle hierzu eine Liste, in dem Du Dir für ein paar Minuten (2-5) immer wieder den Satzanfang sagst:

„Es ist nur Arbeit, wenn…“ und dann alle spontanen Antworten, die Dir einfallen ohne zu überlegen, hintereinander aufschreibst.

Da können Dopplungen dabei sein oder auch ganz komische und zumindest rein logisch gar nicht passende Satzfortführungen entstehen. Es geht dabei nicht um richtig oder falsch, es geht um das, was sich zu dem Begriff in Deinem Kopf herum tummelt, was Dein Unterbewusstsein antreibt…

Wenn Du die so spontan erstellte Liste im Nachhinein durchliest, wird sie Gefühle in Dir hervorrufen. Vermutlich welche, die Dich anziehen und auch welche, die dich abstoßen.

Die eher abstoßenden Konzept-Elemente werden vermutlich mit einem Gefühl von „ich müsste doch…“ verbunden sein. Die eher anziehenden Elemente können ein Gefühl von „ich darf…“ beinhalten.

Im Beispiel von gerade könnte der Satz vielleicht so fortgeführt werden:

„Es ist nur Arbeit, wenn … ich damit Geld verdiene.“

Dies erzeugt bei mir ein „ich müsste doch, mit meiner Arbeit Geld verdienen

Aha! – Wie fühlt es sich für Dich an, Geld zu verdienen?

Gut, nützlich, schön, erfüllend – oder eher – nervig, anstrengend, unzureichend, lästig?

Es geht in diesem Beispiel nicht darum, die Frage zu klären, wie man ohne Geld leben kann, es geht darum die Wahrnehmung zum Konzept von Arbeit zu erforschen. Und sehr wahrscheinlich, wird sich Dein Gefühl zum Konzept (Geld verdienen) auch im Begriff (Arbeit) selbst wiederfinden lassen. Also wenn Du hier z.B. merkst, dass für Dich Geld verdienen nützlich ist, so wird wahrscheinlich auch das Arbeiten nützlich für Dich. Ist es jedoch lästig und Du wünschst es Dir anders, so wird wohl auch die Arbeit lästig sein und Du Dir was anderes wünschen.

Bitte frage Dich selbst: Ist das so? Was erkenne ich für Muster in meinen Satzfortführungen? (Meine Idee muss bei Dir ja nicht stimmen.)

Was auch immer jetzt an Zuwendung oder Abneigung aufgetaucht ist – nun bleib genau damit in Kontakt!

Aha – Du findest Arbeit nützlich.

Aha – Du findest Arbeit lästig.

Mehr nicht! NICHT die Antwort ändern wollen! NICHT das Gefühl ändern wollen!

Also KEIN: „aber ich müsste es doch anders …“

Sondern ein: Aha – so ist das!

Und dann die Spannung spüren, entweder das „bitte mehr davon“ oder das „bitte weniger davon“ als ein Dehnen in eine bestimmte Richtung wahrnehmen. Und diese Dehnung halten – wie beim Dehnen von Muskeln. Auch dort verändert man ja nicht sofort die Position, sobald man in die Dehnung geht. Im Normalfall sucht man den Punkt, an dem die Dehnung gut spürbar und aushaltbar ist, so dass sich mit der Übungszeit die Beweglichkeit erweitert.

 

Durch Nicht-Handeln und Aushalten beweglicher werden?!

Das ist doch spannend, oder?

Ich suche und spüre die Spannung und bleibe dann einfach damit in einem spürbaren und nicht übermäßig schmerzhaften Bereich… und werde im Endeffekt mit diesem Aushalten immer beweglicher.

Ich postuliere: Was bei Muskeln geht, geht auch bei Gefühlen.

Also daher: Just Stay – bleibe stehen und bewege Dich im Moment der Spannung nicht weiter. Verändere nichts. Und wenn Du gerade in einer nicht vermeidbaren Bewegung (z.B. auch gedanklich oder fühlend) bist, dann erkenne, dass Du Dich gerade nicht gut Dehnen kannst. Das ist dann keine Übungszeit.

Die Beweglichkeit im Sport wird meist in Situationen geübt, die ohne zusätzliche Belastung stattfinden (optimale Bedingungen), damit ich dann einen größeren Spielraum in einer Belastungssituation erhalte.

 

Darum dient die Idee des unterbewussten Brainstormings als Konzept-Dehnungs-Übung.

  • Mach Dir eine Liste zu je einem Begriff, mit denen Du gerade viel zu tun hast.
  • Schreibe ein mal „Es ist nur >Begriff<, wenn…“auf ein DIN A4 Blatt
  • und dann sage diesen Satzanfang immer wieder laut
  • und schreibe den zweiten Satzteil, der Dir spontan einfällt, als Liste untereinander „… >Antwort<“ auf das Blatt
  • Nimm dir für das Brainstorming pro Begriff 2-5 Minuten Zeit
  • Lies Dir im Anschluss die Liste durch
  • Notiere, ob die Antwort für Dich eher anziehend oder eher abstoßend ist
  • Übe die Spannung in Deiner Wahrnehmung zu suchen und zu halten
  • „Dehne Dich“ ohne Dich weiter zu bewegen und etwas anders haben zu wollen
  • Halte die Spannung nur so weit aus, wie es  für Dich ohne große Schmerzen funktioniert
  • Wiederhole die Übung regelmäßig und beobachte, ob Du eine größere Beweglichkeit zum Begriff und dessen Konzept wahrnehmen kannst
  • Nutze auch immer wieder Begriffe, von denen Du meinst bereits alles zu wissen
  • Teile mir gern Deine Erfahrungen mit. 🙂
  • Hab Freude beim Erforschen

 

Just stay with it – bleib einfach damit was ist…

…und freue Dich, genau dies Wahrnehmen zu dürfen.

 

Ausgedehnte Grüße an meine lieben Leser!

Susanne