Vom Umgang mit Gefühlen…

…und Wespen…

 

Ich war erst vor kurzem bei einem Meditations Retreat, fernab von aller Hektik, schweigend, zur Ruhe und Stille kommend… und dabei ist mir folgendes aufgefallen:

Die Art, wie wir mit Wespen umgehen, könnte ein Spiegel dafür sein, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen.

Wie komme ich darauf?

Als ich am Retreat-Ort ankam „besuchten“ mich direkt die Wespen aus der Umgebung.

Sie flogen sehr gezielt und direkt auf mich und vor allem auf meinen Kopf zu! „Hilfe! Angst und Panik!“

Geplagt von der Erinnerung einer mal da gewesenen, sehr heftigen Reaktion auf den Stich einer Erdwespe, die aus versehen in mein Hosenbein geflogen war und mich am Unterschenkel gestochen hatte, versuchte ich diesem „Angriff“ zu entkommen. Ich atmete schneller, drehte mich weg, machte seltsame schrille Geräusche, doch bis auf die Tatsache, dass nur ich langsam die Orientierung verloren hatte, passierte nichts. Die Wespe surrte weiterhin fleißig um mich herum und „verfolgte“ mich…

Irgendwann hatte sie dann wohl genug von dem Tanz und flog davon.

Später am Esstisch: ähnliche Situation. Gut nur, dass es beim Essen ebenso die Auflage ist ruhig und still zu sein… so sprang ich nicht auf, fuchtelte nicht herum und wimmerte auch nicht mehr… zumindest nicht so laut…

Ich spürte, wie sich bei der Annäherung der Wespe an meinen süßen Hafer-Frühstücksbrei all meine Muskeln anspannten, mein Atem schneller ging, die Panik-Reaktion in mir wieder startete, bis zur völligen Erstarrung, bis die Wespe wieder von Dannen zog.

Puh – geschafft! Ich habe den „Angriff“ überlebt!

Hm… ???

Irgendwann im Zendo, dem Ort an dem man in der Regel 25-35 Minuten völlig regungslos und still in der Meditation sitzt, mit einem ruhigen Atem, den Fokus auf das Jetzt, den Blick leicht gesenkt vor sich auf den Boden… irgendwann dann, hörte ich sie kommen…. *surrrrrr*

In meinem Kopf überschlug es sich: „Ja, was mach ich denn jetzt? Was mache ich wenn die Wespe auf mich zu kommt, sich irgendwo in meinem Gewand oder in meinen Haaren verheddert und plötzlich aus eigener Überlebensangst-Panik wieder zusticht… und ich – keine Ahnung wie stark – auf den Stich reagiere, vom Kissen falle weil ich keine Luft mehr bekomme…???!!!“

Meine Gedanken gingen weiter: „Hm… und, wenn ich einfach, weiterhin ganz still sitzen bleibe? Also so richtig still, so richtig durch und durch achtsam und mich und die Wespe beobachte in dem ich spüre oder höre, wo sie gerade ist und fühle und wahrnehme, was alles dabei in mir passiert? Das müsste doch eigentlich gehen? Denn stechen tun sie doch nur, wenn sie plötzlich selbst Todesangst haben… und wenn ich mich wirklich so gar nicht bewege, dann sollte ich sie auch nicht versehentlich einquetschen oder so was…“

Einen Versuch war es wert.

Einfach ganz still sitzen bleiben und lauschen.

Gesagt getan. Die Wespe war deutlich zu hören… und ich erwartete sie ganz achtsam… und… sie kam gar nicht zu mir… „So ein misst, jetzt kann ich gar nicht testen, was ich mir ausgedacht habe!“ (Wie schnell sich so Gedanken doch ändern können. 🙂 )

Dafür konnte ich andere im Kreis sehen, zu denen sie flog, denn ihre Bewegungen waren auch in meinem äußeren Sichtfeld, außerhalb meines Fokuspunktes noch gut für mich wahrnehmbar. Fuchteln, wegpusten, wegdrehen… der ein oder andere blieb auch einfach sitzen, regungslos und es passierte: Nichts.

„OK, dann wenn schon nicht auf dem Meditationskissen, vielleicht hab ich mit meinem Test beim nächsten Essen mehr Glück.“ Ja, hatte ich.

Eine Wespe kam, wollte sich an meiner Currysuppe und dem Salat zu schaffen machen, surrte dazu einmal um meine Hand mit dem Löffel drum herum und inspizierte alles. „Ok, jetzt einfach sitzen und stillhalten und beobachten, lauschen – was passiert, was kann ich sehen, was kann ich wahrnehmen?!“ Offen und neugierig… und angespannt… und mit einer weniger hohen Atemfrequenz wie sonst und mit weit weniger Panik als sonst, denn nun war ich neugierig!

Ich konnte schließlich sehr oft üben auf dem Retreat. Auf dem Kissen bei der Meditation, im Essenssaal, im Garten… überall gaben mir die Wespen die Möglichkeit zu üben besonders achstam und still zu sein.

Und dann hatte ich plötzlich Zeit für die Beobachtung der Anderen.

Vor allem beim Essen. Da wurde wie wild gepustet, gefuchtelt… ärger stand den Menschen auf dem Gesicht oder Panik… und ich fragte mich in der meditativen Stille, die ich schließlich in mir gefunden hatte:

Ist die Art, wie wir mit den „unliebsamen“ Wespen umgehen ein Spiegel dafür, wie wir mit „unliebsamen“ Gefühlen oder Situationen umgehen?

Ich drösle meine Gedanken hierzu mal auf:

  • wir haben vielleicht mal eine schlimme Erfahrung damit gemacht
  • wir haben vielleicht mal sehr unangenehme Schmerzen dadurch erfahren
  • wir haben von niemandem gezeigt bekommen, wie wir entspannt damit umgehen können
  • wir wissen nicht, wann es „zusticht“
  • wir können ihm/ihr nicht in die Augen blicken
  • das Beste wäre, man wäre die Plagegeister los
  • wenn ich sie wegpuste oder wegschlage… dann sollen sich doch andere darum kümmern
  • wenn ich mich wegdrehe, davon laufe… vielleicht lässt es mich dann in Ruhe…
  • wenn sie im Schwarm kommen, weiß ich gar nicht mehr, wo ich hinsehen soll, auf was ich zu erst achten soll…
  • wenn es zu laut ist (z.B. in der Stadt) kann ich überhaupt nicht mehr hören, wo sie sich (wo ich mich) gerade befinden (befinde), wo ich in Gefahr sein könnte…
  • sie stürzen sich auf alles, was sie irgendwie nährt…
  • sie verursachen möglicherweise starke Schmerzen, wenn sie nicht gesehen und bedrängt oder gar getötet (komplett unterdrückt) werden
  • … Liste beliebig zu ergänzen. 🙂 Für Gefühle und Wespen!

Und die andere Seite, bei der achtsamen, lauschenden Beobachtung:

  • sie zeigen sich aufgeweckt, erfinderisch, geschickt
  • sie reinigen und pflegen sich fast unentwegt (schon mal beobachtet wie großartig akribisch so eine Wespe ihre Fühler säubert, nachdem sie das Marmeladenbrot inspiziert hat?)
  • sie versuchen mit aller Macht am Leben zu bleiben
  • sie machen sich lautstark bemerkbar, sie kündigen sich also sogar freundlicher Weise vorher an!
  • sie sorgen dafür, dass wir am Leben bleiben (siehe für Wespen dazu auch den Text auf bento: http://www.bento.de/nachhaltigkeit/wespen-warum-sie-es-nicht-verdient-haben-das-hassobjekt-des-sommers-zu-sein-2741915/)
  • sie kommunizieren miteinander
  • … und auch hier ist „sie“ beliebigt durch Wespe, Gefühl, Situation auszutauschen

 

Ich möchte also folgendes vorschlagen/postulieren:

Wenn wir es schaffen achtsam und behutsam mit Ruhe und Neugierde die weiteren Begegnungen mit Wespen in diesem, schon wieder bald endenden Sommer zu erleben, so glaube ich auch daran, dass wir lernen werden anders mit unseren Gefühlen und vielleicht unliebsamen Situationen umzugehen.

Ist es möglich einfach nur ganz still zu lauschen, der Wespe, dem Gefühl, der Situation?

…ohne zu bewerten, ohne voller Panik in den Angriffs- oder Fluchtmodus zu wechseln?

…einfach nur zu lauschen: neugierig, still und voller Ruhe beobachtend?

…ich gebe Euch einen kleinen Tipp:

Ja, es ist möglich… wenn auch nicht immer zu 100%, doch möglich ist es immer…

Nur die Entscheidung liegt ganz allein bei Dir.

…und oft ist es Verdeckt unter starken Mustern, Überzeugungen und anderem mehr.

 

Viel Freude beim Erleben!

Mit lieben, bunten Sommergrüßen…

Eure Susanne

Trotz-dem

Unglaublich, dass es schon wieder so lang her ist, dass ich meinen letzten Beitrag geschrieben habe… doch es war einiges los… und trotz-dem hab ich den Blog nicht vergessen, auch wenn ich hier nicht aktiv geschrieben habe… und auch wenn ich nicht aktiv andere Seiten, denen ich folge, geliked habe…

Ich habe trotz-dem gelebt.

Und gerade heute habe ich recht viel Trotz gespürt und etwas für mich entdeckt und erlebt… was es mir sehr wert ist, mit Euch zu teilen…

Mein Erleben:

Das Gefühl von Trotz kommt nicht einfach so.

Wer sagt eigentlich, was Trotz ist? Wann ist welches Verhalten als Trotz einzustufen?

Ich wehrte mich also den ganzen Tag vor dem Gefühl und kam und kam nicht weiter, merkte, wie ich immer grummeliger wurde und sich alles immer schwerer und lästiger anfühlte.

Nun bin ich seit einiger Zeit auf dem Pfad, meinem Genuss zu folgen (das wird noch einen eigenen Blog-Eintrag geben)… und so fragte ich mich: „Was kann ich an dieser Situation genießen, jetzt hier an diesem Trotz?“

Und in letzter Zeit zeigt sich mir immer wieder, wenn ich ein Gefühl voll auskoste, mich also nicht mehr davor wehre und zurückziehe, dann kann ich plötzlich, egal welches Gefühl dies ist, mich voll und ganz genießend hingeben.

Klingt absurd, ist mein Erleben. Probier es selbst aus, wenn Du magst!

So murmelte ich also nun „Ich will nicht!“ vor mich hin… immer und immer wieder, so lang, bis das Gefühl so richtig greifbar war. Wut und Tränen stiegen auf und vor allem Bilder und tiefe Gefühle von einer Zeit als Kind…

Wenn der ganze Körper schmerzt, weil das System weiß, nein, das ist nicht das, was jetzt passieren sollte… es ist nicht meine Zukunft, die hier geschieht… hier wird Potential ertränkt, eingesperrt, verstümmelt… hier wird Leben vernichtet in dem jeder neue Trieb sofort unterbunden wird… weil es in diesem Moment vermutlich einfach nicht in das gewählte Konzept der Eltern oder sonstiger zum jeweiligen Zeitpunkt verantwortlicher Personen passt.

Und dann leidet die Seele, weil sie ein Korsett anziehen muss, damit sie irgendwie überlebt.

Aus meiner Sicht existiert Trotz gerade nicht.

Für mich ist Trotz gerade eine, vielleicht sogar die derzeit beste und stärkste, Offenbarung des Lebens selbst!

Das gleiche Gefühl entsteht, wenn ich mir vorstelle, meine Hand auf eine glühende Herdplatte legen zu müssen, weil mir das jemand befielt… Es ist ein Überlebens-Widerwille der sich bei der Imagination in mir zeigt.

Meine Brust schnürrt sich zu, mein Verstand überschlägt sich beim Suchen nach einer Lösung… meine Stimme versagt, meine Muskeln werden steif… die einzig mögliche Reaktion ist es dann trotz-dem voll Energie erstickte Wut und Trauer herauszupressen… zumindest war es das, was als Kind noch ging… was nun als Erwachsene unterdrückt, eingepresst, wegsortiert wird…

Denn, wer will schon als Erwachsener wirken wie ein trotziges Kind?

Wenn das nicht eines der Ur-Sprünge von De-Pression ist, dann hab ich wohl einen echten Schaden…

Nur springt da nichts mehr… sondern es ist hart, versteift, leblos…

Der Trotz ist das Leben selbst,

dem Du es zu verdanken hast,

dass Du am Leben bist!

Trotz-freche liebe Grüße

Susanne

Just Stay

Bleib da wo du bist, mit dem was ist.

Ich erkenne immer mehr, dass es uns oft daran fehlt, wahrzunehmen was ist und stattdessen krampfhaft sehen zu wollen, was wir erwarten…

Und wird die Erwartung nicht erfüllt, so gestehen wir uns das nicht mal ein und sind dennoch sauer oder zumindest sehr unzufrieden darüber.

Lässt sich das ändern und woher kommt es?

 

Die Erwartung ist nichts weiter als die gewünschte Erfüllung eines Konzeptes.

Wir haben in unserem Leben verschiedene Begriffe gelernt…  wie z.B. Leben, Arbeiten, Freizeit, Lieben, Hassen, Reichtum, Erfolg, Beziehung, Freundschaft (diese Liste kann beliebig fortgeführt werden)…

Jeder Begriff beinhaltet ein Konzept, eine Art Agenda, was sich hinter dem jeweiligen Wort verbirgt, welche Eigenschaften zu erkennen sein müssen, damit der Begriff nutzbar wird.

Stellt Euch vor, dass jedes meiner Worte, die hier stehen, eine Extra-Erklärungsliste beinhaltet, auf der genau steht, was es sein muss, was sich dahinter verbirgt.

Vermutlich wird für jeden, der das hier liest, diese Liste mit leicht anderen Erklärungen je Wort gefüllt sein, je nach dem, woher er die Informationen gesammelt hat, wieviel eigene Erfahrung und Färbung seiner Mitmenschen er der Erklärung hinzufügt…

Doch vermutlich wird sich die eigene Wahrnehmung zu einem Wort bei niemandem erklären lassen. Was ist Leben ohne das jetzt bekannte Konzept von Leben für Dich? Was ist Arbeiten ohne diese bestehenden Konzepte? Wie sieht eine Beziehung aus, bzw. wie fühlt sich eine Beziehung an, ohne die gelernten Erwartungen und Konzepte zum Wort Beziehung?

Natürlich ist es für die zwischenmenschliche Kommunikation total wichtig, dass wir Worte definiert haben, dass bestimmte Eigenschaften festgelegt sind und doch vermisse ich, wie wir lernen mit mehr Wahrnehmung damit umzugehen.

Eine Möglichkeit den eigenen Konzepten auf die Schliche zu kommen, könnt Ihr mit der folgenden Übung ausprobieren:

 

Was passiert, wenn ich meine Konzepte benenne und einfach mit der Wahrnehmung darüber in Kontakt bleibe? – Eine Übung

Stell Dir vor, Du hast ein Konzept, z.B. von „Arbeiten“.

Erstelle hierzu eine Liste, in dem Du Dir für ein paar Minuten (2-5) immer wieder den Satzanfang sagst:

„Es ist nur Arbeit, wenn…“ und dann alle spontanen Antworten, die Dir einfallen ohne zu überlegen, hintereinander aufschreibst.

Da können Dopplungen dabei sein oder auch ganz komische und zumindest rein logisch gar nicht passende Satzfortführungen entstehen. Es geht dabei nicht um richtig oder falsch, es geht um das, was sich zu dem Begriff in Deinem Kopf herum tummelt, was Dein Unterbewusstsein antreibt…

Wenn Du die so spontan erstellte Liste im Nachhinein durchliest, wird sie Gefühle in Dir hervorrufen. Vermutlich welche, die Dich anziehen und auch welche, die dich abstoßen.

Die eher abstoßenden Konzept-Elemente werden vermutlich mit einem Gefühl von „ich müsste doch…“ verbunden sein. Die eher anziehenden Elemente können ein Gefühl von „ich darf…“ beinhalten.

Im Beispiel von gerade könnte der Satz vielleicht so fortgeführt werden:

„Es ist nur Arbeit, wenn … ich damit Geld verdiene.“

Dies erzeugt bei mir ein „ich müsste doch, mit meiner Arbeit Geld verdienen

Aha! – Wie fühlt es sich für Dich an, Geld zu verdienen?

Gut, nützlich, schön, erfüllend – oder eher – nervig, anstrengend, unzureichend, lästig?

Es geht in diesem Beispiel nicht darum, die Frage zu klären, wie man ohne Geld leben kann, es geht darum die Wahrnehmung zum Konzept von Arbeit zu erforschen. Und sehr wahrscheinlich, wird sich Dein Gefühl zum Konzept (Geld verdienen) auch im Begriff (Arbeit) selbst wiederfinden lassen. Also wenn Du hier z.B. merkst, dass für Dich Geld verdienen nützlich ist, so wird wahrscheinlich auch das Arbeiten nützlich für Dich. Ist es jedoch lästig und Du wünschst es Dir anders, so wird wohl auch die Arbeit lästig sein und Du Dir was anderes wünschen.

Bitte frage Dich selbst: Ist das so? Was erkenne ich für Muster in meinen Satzfortführungen? (Meine Idee muss bei Dir ja nicht stimmen.)

Was auch immer jetzt an Zuwendung oder Abneigung aufgetaucht ist – nun bleib genau damit in Kontakt!

Aha – Du findest Arbeit nützlich.

Aha – Du findest Arbeit lästig.

Mehr nicht! NICHT die Antwort ändern wollen! NICHT das Gefühl ändern wollen!

Also KEIN: „aber ich müsste es doch anders …“

Sondern ein: Aha – so ist das!

Und dann die Spannung spüren, entweder das „bitte mehr davon“ oder das „bitte weniger davon“ als ein Dehnen in eine bestimmte Richtung wahrnehmen. Und diese Dehnung halten – wie beim Dehnen von Muskeln. Auch dort verändert man ja nicht sofort die Position, sobald man in die Dehnung geht. Im Normalfall sucht man den Punkt, an dem die Dehnung gut spürbar und aushaltbar ist, so dass sich mit der Übungszeit die Beweglichkeit erweitert.

 

Durch Nicht-Handeln und Aushalten beweglicher werden?!

Das ist doch spannend, oder?

Ich suche und spüre die Spannung und bleibe dann einfach damit in einem spürbaren und nicht übermäßig schmerzhaften Bereich… und werde im Endeffekt mit diesem Aushalten immer beweglicher.

Ich postuliere: Was bei Muskeln geht, geht auch bei Gefühlen.

Also daher: Just Stay – bleibe stehen und bewege Dich im Moment der Spannung nicht weiter. Verändere nichts. Und wenn Du gerade in einer nicht vermeidbaren Bewegung (z.B. auch gedanklich oder fühlend) bist, dann erkenne, dass Du Dich gerade nicht gut Dehnen kannst. Das ist dann keine Übungszeit.

Die Beweglichkeit im Sport wird meist in Situationen geübt, die ohne zusätzliche Belastung stattfinden (optimale Bedingungen), damit ich dann einen größeren Spielraum in einer Belastungssituation erhalte.

 

Darum dient die Idee des unterbewussten Brainstormings als Konzept-Dehnungs-Übung.

  • Mach Dir eine Liste zu je einem Begriff, mit denen Du gerade viel zu tun hast.
  • Schreibe ein mal „Es ist nur >Begriff<, wenn…“auf ein DIN A4 Blatt
  • und dann sage diesen Satzanfang immer wieder laut
  • und schreibe den zweiten Satzteil, der Dir spontan einfällt, als Liste untereinander „… >Antwort<“ auf das Blatt
  • Nimm dir für das Brainstorming pro Begriff 2-5 Minuten Zeit
  • Lies Dir im Anschluss die Liste durch
  • Notiere, ob die Antwort für Dich eher anziehend oder eher abstoßend ist
  • Übe die Spannung in Deiner Wahrnehmung zu suchen und zu halten
  • „Dehne Dich“ ohne Dich weiter zu bewegen und etwas anders haben zu wollen
  • Halte die Spannung nur so weit aus, wie es  für Dich ohne große Schmerzen funktioniert
  • Wiederhole die Übung regelmäßig und beobachte, ob Du eine größere Beweglichkeit zum Begriff und dessen Konzept wahrnehmen kannst
  • Nutze auch immer wieder Begriffe, von denen Du meinst bereits alles zu wissen
  • Teile mir gern Deine Erfahrungen mit. 🙂
  • Hab Freude beim Erforschen

 

Just stay with it – bleib einfach damit was ist…

…und freue Dich, genau dies Wahrnehmen zu dürfen.

 

Ausgedehnte Grüße an meine lieben Leser!

Susanne

Stau

hm… jetzt hab ich so schön flüssig mit diesem Blog gestartet… dann war ich im Retreat, hatte einen Haufen voll Schreib-Ideen… doch irgendwie ist Stau in meinem Kopf… und seit einiger Zeit kommt nix mehr hier an…

 

Nicht, dass ich nicht schreiben will, doch teilweise fühlt es sich an, wie das so genannte „Bottle neck“ … ein Flaschenhals, der zu eng ist, um all das, was gesagt werden will, ans Tageslicht zu befördern.

Hunderte Gedanken drängen sich ans Tageslicht, doch niemand kommt durch, weil alle zur gleichen Zeit „Hier!“ brüllen.

 

Wo kennt Ihr das noch, was passiert Euch, wo plötzlich so viel davon da ist, dass doch nichts passiert?!

 

Ein anderes wunderschönes Beispiel ist Aufräumen… man guckt in die Wohnung und denkt sich: „Oh ja, ich könnte mal wieder aufräumen…“ und noch während man überlegt, wo man denn nun starten will, setzt man sich doch lieber wieder mit einem Kaffee an den Tisch und plant noch etwas… bevor das große Aufräumkomando loslegen kann… und dann herrscht da wieder Gedankenstau… weil alles gleichzeitig gesehen und erledigt werden will…

 

Irgendwann hatte ich mal den Gedanken beim Autofahren… was ist, wenn es auf der Straße eng wird, z.B. durch eine Baustelle oder eine anderweitig unübersichtliche Stelle? Was tun wir dann normalerweise?

Richtig, langsamer werden, damit wir wieder einen Überblick bekommen. Nur wenige (aus meiner Sicht Irre oder sehr von der Umwelt getrennte) Menschen rasen durch solche Hindernisse hindurch.

Doch meist geht man auf die Bremse oder gibt zumindest nicht weiter Gas. Man lässt gerade noch so rollen.

 

Was heißt das für die Gedanken, für die Ideen, für den Tatendrang…

In meinem Fall oft einfach  nur: STOPP!

Setz‘ dich hin und warte, spüre Deine Füße auf dem Boden, spüre wie Dein Atem fließt, fühle Deinen Körper… und sobald ein drängender Gedanke anklopft, der mich wieder aufscheuchen will, sage ich weiterhin STOPP! und sitze noch länger… gucke diesen Gedanken an und sage zu ihm, bevor Du nicht ruhig wirst, dich entspannst und nicht mehr danach drängst, gedacht zu werden, werde ich mich hier nicht aus dieser STOPP-Haltung weg bewegen.

Und ich sage Euch, das ist soooo spannend:

Dann versteckt sich dieser Gedanke. Ist ganz „artig“ und still und ich denke „Oh, schön, es ist ruhig, dann kann ich jetzt ja wieder weitermachen.“ – und in dem Moment kommt der Tatendrang um die Ecke geschossen, wie ein Hund, der hört, dass es Fressen gibt!

HA! Dann guck ich die Flitzpiepe an (Sorry, aber genau hier passt dieses Berliner Wort wunderbar!) und sag „Ach, da bist Du ja. Dann bleib ich wohl noch was sitzen und achte auf meinen Atem, meine Füße…“ Und der Gedanke / der Impuls trottet schmollend wieder davon…

Das kann ein paar mal passieren. Und immer wieder heißt es STOPP! und keine Bewegung, weder körperlich noch geistig… nur warten und spüren…

Und irgendwann… irgendwann schaue ich mich in mir um und erblicke Frieden… und wenn ich dann wieder aufstehe, mich bewege, behutsam und achtsam, dann kommen leise und tiefe „Instruktionen“ meines Geistes, was jetzt das Nächste ist, was wirklich erforderlich zu tun ist. Ganz ohne „Ich muss da jetzt sofort ans Licht!“

Es ist einfach still und entfaltet sich auf ganz natürliche Weise…

 

Das funktioniert zumindest super, wenn ich nicht zwischen verschiedenen Terminen hänge, wenn da wirklich zeitlicher Raum ist.

Ich kann bisher so handeln, wenn ich die Termine nur mit mir ausgemacht habe. Sind es Termine mit anderen, wird es oft schwer… ich fühle mich genötigt die Erwartung zu erfüllen, statt zu tun, was mein System gerade verlangt.

Doch ich bin mir sicher, dass ich auch dafür, nach und nach eine Lösung finden werde.

Sei es, in dem ich im Vorfeld mit den Menschen über den Umgang mit meinem Leben rede, sei es, dass ich das Verschieben von Terminen besser und leichter organisiert bekomme und klarer kommunizieren kann oder sei es eine Lösung, die mir derzeit noch nicht vorliegt…

 

Was übrigens auch gut im Stau geht, mal zum Nachbar-Auto bzw. dem Mitwartenden zu gucken, Kontakt aufzunehmen, zu lächeln oder auf eine andere Art zu kommunizieren… zu erleben, dass gerade alle in der gleichen Situation „stecken“.

Wenn also meine Gedanken und Handlungen aufgrund der Fülle feststecken, vielleicht sollen sie sich in diesem Moment auch einfach einmal gegenseitig betrachten und untereinander in Kontakt kommen, bevor sie den Flaschenhals durchqueren und in die wunderschöne Freiheit hinaus fließen…

 

Wer weiß schon, wozu so ein Stau auch gut sein kann… 🙂

Aufgestaute Grüße

Susanne

Wenn Sehnsucht die Sucht sucht…

Was ist es, das uns antreibt die Dinge zu tun, die wir so tun?

Sei es jede Zeitung und alle Nachrichten studieren zu wollen; das Sportprogramm immer zu verfolgen und jedes Spiel der Lieblingsmannschaft miterleben zu wollen; jede Möglichkeit zum Treffen und Kommunizieren mit Freunden zu nutzen; alles und noch mehr lernen zu wollen und sich deshalb mit Büchern und Kursen vollzustopfen; zu Essen, weil es doch so lecker schmeckt, obwohl der Bauch schon auf das Zwerchfell drückt; doch noch das Glas oder gleich die ganze Flasche Wein zu trinken, auch wenn es am nächsten Morgen eigentlich früh raus heißt, einfach weil es gerade so schön ist; jedem und allem zu jeder Zeit helfen zu wollen und damit zu versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen…

 

Was ist es, das uns dazu antreibt all diese Dinge zu tun?

Sind es eigene Werte, gute Ideale, ein innerer Antrieb zu etwas hin oder doch mehr die Flucht z.B. vor dem aktuellen Leben, was sich ggf. gerade gar nicht so toll anfühlt und deshalb mit jedem Kick, mit jeder Befriedigung der Sehnsucht nach etwas Bestimmtem – das oft nicht genannt werden kann – überdeckt und ruhig gestellt wird?

Ist es überhaupt wichtig zu wissen, was es ist, solange einem dieses Tun gut tut?

 

Ich lerne gerade so viele Menschen mit einem sehr schnellen und offenen Geist kennen, Menschen deren Augen begeistert leuchten, wenn sie etwas neues gesehen, entdeckt, erfahren, erlebt haben, wenn sie sich getraut haben, etwas zu tun, was sie zuvor noch nie getan haben… wenn sie dieses Leuchten in Augen anderer sehen…

Sind all diese Menschen süchtig?

Müssen sie deshalb in eine Suchtklinik und behandelt werden?

„Herr Doktor ich kann nicht aufhören zu lernen und Gutes zu tun! Bitte helfen sie mir von dieser Sucht los zu kommen!“

???

 

Vermutlich ist dies eine Frage der eigenen Bewusstheit und wie es in der Medizin so schön heißt, eine Frage des Potentials der Eigen- und Fremdgefährdung bei diesem Tun.

Wenn ich anderen Menschen von mir aus helfe, gefährde ich damit vielleicht ihre Selbstbestimmtheit und ihr eigenes Können.

Wenn ich unendlich viel lerne gefährde ich vermutlich mein ruhiges Leben der Unwissenheit, weil ich plötzlich so viel mehr verstehe, erkenne und nach neuen Lösungen suche.

Das mag jetzt vielleicht etwas sarkastisch klingen, doch wo setzt ihr denn hier die Grenze des Gesunden vom Ungesunden?

Zumindest ist die Sache mit dem Bewusstsein z.B. beim Rauchen nachgewiesen: wer bewusst raucht und sich der Zigarette und seiner gewünschten Wirkung im Klaren ist (z.B. Entspannung, Ruhe, Hormonausschüttung) und sie mit diesem Wissen genießt, der schadet sich weit weniger, als jemand, der den Grundtenor: „Ich sollte mit den Rauchen aufhören…“ wie eine Schalplatte im Kopf abspult und dennoch unbewusst weiter eine Zigarette nach der Nächsten konsumiert.

 

Manchmal komme ich mir mit meinen Gedanken vor, wie in einem Spiegelkabinett… oder wie in der Mathematik die Bilder von Fraktalen, wenn der eine Gedanke, einen Gedanken, einen Gedanken, einen Gedanken usw. bildet…

 

In Wikipedia ist Sucht folgendermaßen beschrieben:

„Abhängigkeit (umgangssprachlich Sucht) bezeichnet in der Medizin das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und beeinträchtigt die sozialen Chancen eines Individuums. In den Fachgebieten Psychologie und Psychiatrie werden verschiedene Formen von Abhängigkeit beschrieben.“

„…das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand […] beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit…“

Was, wenn nun dieser Wunsch nach freier Entfaltung die Sucht ist, die Sehnsucht mit unseren Blogs und Postings und sonstigen Mitteilungen überall unserer Entfaltung Raum geben zu wollen?

Ab wann schränkt die Suche nach freier Entfaltung die freie Entfaltung ein?

 

Spätestens jetzt hab ich einen Knoten im Hirn. Und Ihr so?

 

Ich glaube, ich gehe jetzt erstmal was lernen oder helfe einem Menschen seine Einkäufe nachhause zu tragen… ich will doch schließlich was ER-LEBEN im Leben… 😉

 

Ver-suchende Grüße!

Susanne