Eine Geschichte des Gewahrseins

Es war einmal ein stattliches Kloster inmitten einer beschaulichen Kleinstadt. Die Bewohner dieser Stadt liebten dieses Kloster, mit seinen alten, teils moosbewachsenen Mauern, der Stille, die sich darin fand, einer Glückseligkeit, die es immerzu ausstrahlte.

Dieses Kloster war für Jedermann immer frei zugänglich und es gab einen ganz besonderen Ort in diesem Kloster, zu dem es die meisten Menschen, ohne genau zu wissen warum, immer wieder wie von Geisterhand hinzog.

Es war ein geräumiger rechteckiger Raum in dem sicherlich bis zu 60 Menschen gleichzeitig Platz gefunden hätten, mit einem Strohdach und glaßlosen Fenstern und türlosen Eingängen in den dicken Mauern. In diesem Raum war es immer angenehm warm, trotz der Offenheit gab es hier keinen Durchzug, sondern nur das angenehme Empfinden von freiem Atem. Und dieser Ort war durchzogen von besonderer Stille, die tiefer war als alles was je als Stille gehört werden konnte.

Kamen Menschen zu diesem Ort, voll mit Gedanken, Zweifeln, rumorendem Grübeln oder ungeheuerlichen Schmerzen in ihrem Körper, so geschah es von einem auf den anderen Moment, dass sie vergaßen, was sie bis gerade noch beschäftigte. Sie traten ein, suchten sich einen Platz im Raum, setzen sich und versanken in gütige Stille, als wenn sie zuvor nie etwas anderes getan hätten.

Eines Tages kam auch ich, gelockt von der Erzählung, zu diesem Kloster und betrat den besagten Raum. Dieser Raum war im ersten Moment leer, es war niemand zu sehen, doch spürte ich eine Kraft von einer Stirnseite des Raumes her. Ich setzte mich und fokussierte diese Kraft, die ich dort wahrzunehmen glaubte.

Nach einiger Zeit schien es mir wie ein Zauber, es tauchte plötzlich, wie aus dem Nichts eine Gestalt dort am Ende des Raumes auf. Leicht erhöht saß dort ein Mönch, gekleidet in ein dunkelbraunes, schlichtes Gewand, im Schneidersitz, die Hände in den Schoß gelegt, regungslos, freundlich lächelnd, in vollem Frieden mit sich und der Welt und hatte von dort den gesamten Raum mit seiner sanften Ausstrahlung im Blick.

Plötzlich sah er mich an und gab mir mit einer kleinen Geste zu verstehen, dass ich mich neben ihn setzen sollte und so aus seiner Sicht das Geschehen in diesem Raum wahrnehmen durfte.

Ich stand auf und bewegte mich vorsichtig zu ihm, keinen Laut verursachend und noch immer verwirrt über das, was sich soeben ereignete. Je näher ich dem Mönch kam, desto stärker nahm ich diese Kraft wahr, die mir schon zu Beginn aufgefallen war. Er lächelte ermutigend. Ich setze mich mit dem Blick in den Raum gewandt und wartete. Der leere Raum breitete sich vor mir aus, ich wunderte mich, weshalb mich der Mönch zu sich gerufen hatte. Ich blickte ihn fragend an, doch er schien wieder tief in die Mediation versunken und reagierte daher nicht auf meinen Blick.

Ich tat ihm gleich, hatte die Absicht mich auf meinen Atem zu fokussieren und einfach nur da zu sein, diese Situation hier wahrnehmen.

Da kamen Gedanken in meinen Sinn und ich fragte mich, wann wohl die ersten Menschen der Stadt hier auftauchen und sich hier in die Stille begeben würden… doch außer mir und dem Mönch an meiner Seite war niemand zu sehen.

Noch während ich diesen Gedanken zu Ende dachte, kam ein junger Mönch in diesen Raum. Er sah geschäftig aus, grübelnd und lief abwesend und in sich versunken quer polternd durch den Raum.

„Oh“, dachte ich freudig, „da ist ja der erste!“ …und schon kam ein weiterer junger Mönch, ebenso in das schlichte, dunkelbraune Gewand gekleidet, doch anders als der erste weit mehr beschwingt und lächelnd, sowie leichtfüßig in den Raum hinein.

Ich spürte plötzlich die Kraft des Mönches neben mir sehr deutlich, wie sie mich durchdrang und ich ein über den ganzen Körper verteiltes, inneres Prickeln wahrnahm. Dieser Moment machte mich hellwach, so dass ich meine Aufmerksamkeit wieder auf meinen Atem lenken wollte… doch diese Absicht wurde durchbrochen, von einem dritten Mönch, der plötzlich in den Raum eintrat und sich direkt den anderen beiden, bereits zuvor erschienen jungen Mönchen zuwandte und sie ansprach, sie mögen doch bitte nun endlich Platz nehmen und die Stille nicht weiter stören.

Da durchfuhr es mich durch Mark und Bein ohne, dass ich erschrak und ohne, dass ich irgendetwas hätte tun oder sagen oder denken wollen.

Ich beobachtete einfach die drei Mönche im Raum, wie der eine weiterhin grübelnd durch den Raum stapfte, der andere lächelnd durch den Raum hüpfte und sich beide nur wenig beeindruckt von den Anweisungen des letzten Mönches zeigten.

Doch dann, Einem nach dem Anderen wurde anscheinend etwas bewusst, wie sie dort standen und plötzlich zur Stirnseite des Raumes blickten, dort wo ich saß. Doch ich merkte, sie sahen nicht mich an. Sie sahen dort niemanden an. Und doch war es, als umfing sie eine Kraft, die sie plötzlich alles, weshalb sie hier waren, vergessen ließ und sie setzen sich und traten jeder selbst in die Stille des Raumes ein.

Und als ich das alles so vor mir geschehen sah, wollte ich dem Mönch neben mir mein Erstaunen nun doch irgendwie zum Ausdruck bringen. Doch wer oder was immer es auch war, der neben mir gesessen hatte, nun war er nicht mehr dort, nun saß ich allein, leicht erhöht an der Stirnseite des besonderen Raumes in diesem stattlichen Kloster der beschaulichen Kleinstadt und beobachtete als Gewahrsein diesen einen Moment.

Ein sanft-stürmischer Gastbeitrag

Das ist gerade alles so cool, weil ich seit langem mal wieder etwas mache, was ich zuvor noch nicht getan habe… und ich habe so was von keine Ahnung… und jeder Schritt ist, wie Geschenke auspacken an Weihnachten… zaghaft forschend (Ich war nie ein Aufreißer – mag ich nicht, zerstört für mich die Schönheit des Augenblicks).

 

Darum jetzt hier, einfach so im Blog, mein erster Gastbeitrag, den mir Sascha zugeschickt hat.

Er hat ein schönes Gedicht geschrieben, inspiriert von meinem Blog-Beitrag Über den Sturm und das Ich. Und darum möchte ich Euch das jetzt nicht vorenthalten:

 

Tadddaaa:

Wallendes Toben und Wogen um uns, 
alles ist Leben und Atem.
Die Zeit verrinnt, versiegt nur dann, 
wenn wir zweifeln und warten.
Sie fließt, wir können uns tragen lassen, 
auf unsichtbaren Schwingen. 
Es geschiet und atmet uns, 
wenn wir bereit sind mitzuklingen.

 

Vielen Dank, lieber Sascha, für diese sanft-stürmischen Worte!

Liebe Grüße

Susanne

 

 

Wie halte ich das nur aus???

„Das Arbeiten wäre so schön, wenn nur die Kunden nicht wären…“

„Ich fahre gern Auto, aber immer all diese Idioten um mich herum…“

„Ich weiß jetzt wie Achtsamkeit funktioniert – nur warum kapiert das keiner außer mir?!“

 

Wer kennt es nicht, sobald ich endlich einen Weg für mich gefunden habe, mit mir einigermaßen klar zu kommen, stürmt die Welt auf mich ein und nervt mich, ärgert mich, versteht einfach nicht, was ich eigentlich von ihr will…

 

Ich frage mich, was macht es uns so schwer die anderen und andere Umstände, die nicht so laufen, wie wir sie uns wünschen, zu akzeptieren oder zumindest damit gut umzugehen?

 

Wann haben wir gelernt unsere Bedürfnisse zu erkennen und auszudrücken?

Ich glaube, es hat damit zu tun, dass wir Angst haben unsere innerste Wahrheit preis zu geben. Wir glauben, wir sind es nicht wert, dass wir die Vorstellung XY von unserem Leben haben dürfen und diese auch vor anderen so stehen lassen können, ja, sie sogar einfordern können…

Wir spüren in uns ganz genau was „richtig“ ist, was sich gut anfühlt, doch wenn etwas von außen auf uns einwirkt, das nicht dazu passt, dann fühlen wir uns angegriffen. Und wir meckern und fluchen, ärgern uns und sind vielleicht – das ist aus meiner Sicht schon sehr tief im Kontakt mit der eigenen Wahrheit – traurig darüber.

Da „schreien“ also Bedürfnisse in uns, die doch bitte endlich gehört und gesehen werden wollen.

Und wenn wir sie dann gehört und gesehen haben, dann gilt es sie in dieser Situation passend zum Ausdruck zu bringen.

Doch wo und wann haben wir das wirklich gelernt?

Welche Eltern, welche Lehrer, welcher Arbeitgeber gibt einem derzeit den Raum zu üben, wie ich mein Bedürfnis, welches vielleicht gar nicht in den eigentlichen „Projektplan“, „Lehrplan“ oder sonstigen Plan passt, einfach mal formulieren zu können?

Welchen Nachbarn, Freunden, Verwandten, Menschen denen wir auf der Straße begegnen, würden wir uns trauen einfach unser aktuelles Bedürfnis mitzuteilen? Schwingt da nicht immer die Angst mit, der andere hört mich gar nicht, der andere fühlt sich direkt angegriffen und setzt, noch bevor mein letztes Wort gesagt ist, zum Gegenschlag an…?

Wir haben uns in Höflichkeit eingepfercht.

Wir haben gelernt immer höflich zu Eltern, Kunden, Lehrern, etc. zu sein. Doch was meint diese Höflichkeit? Doch meist nur dem anderen nach dem Mund zu reden, zu sagen, was ich glaube, was mein Gegenüber erwartet.

Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht darum den angemessenen Ton wegfallen zu lassen, sondern zu erkennen, ob der Inhalt, dessen was ich sagen will, aus mir selbst kommt, oder aus der gedachten Erwartung meines Gegenübers.

Und sogar im Beziehungskrach sage ich, was mein Gegenüber erwartet, wenn ich ihn z.B. anbrülle, ihn „schlecht“ mache anstelle von mir selbst zu sprechen, zu sagen was in mir passiert, was ich haben/erleben möchte und was ich nicht haben/erleben möchte.

Die Kämpfe, die wir da führen, sind eigentlich nur Kämpfe mit uns selbst…

Doch es braucht Mut, Ehrlichkeit, die Akzeptanz voll anzuerkennen, dass ich verletzlich bin und dass ich diese Verletzlichkeit der Welt zeigen kann, ja sogar muss, wenn ich will, dass mich die Menschen endlich so wahrnehmen, wie ich mich selbst erkenne.

Und dann ist nicht mehr die Frage, wie ich die anderen, sondern wie ich mich selbst aushalte…

 

Frage Dich also einfach beim nächsten mal, wenn der Gedanke kommt: „Wie halte ich das (den anderen/die Situation) nur aus?“

  • Was halte ich in mir gerade aus?
  • Welches Bedürfnis ruft in mir so laut, dass ich es selbst sehen kann?
  • Kann ich das, was ich in mir erkannt habe, so wie es ist voll anerkennen?
  • Wie kann ich mein Bedürfnis in diesem Moment zum Ausdruck bringen?

 

Ich wünsche Euch viel Freude beim Experimentieren und Er-Leben!

Liebe Grüße

Susanne

 

Über den Sturm und das Ich

Ich möchte mit Euch ein Erlebnis und die Gedanken dazu aus meiner letzten Meditation teilen:

Ich übe gerade fokussierte Aufmerksamkeit – und möchte bei der Meditation nur meinen Atem beobachten… doch immer wieder ertappe ich mich dabei, wie sich Gedanken wie Wolken vor meine Achtsamkeit schieben.

„Aha!“ – denk ich dann – ich kann diese Gedankenwolken ja vorbeiziehen lassen, so wie es mir erklärt wurde. Beobachten und Vorbeiziehen lassen. (So der Plan)

Tja, ich erlebte diesmal sehr deutlich etwas anderes. Es war kein Vorbeiziehen lassen, es war ein „schleunigst weiter drücken“… ein „hopp, hopp – raus aus meinem Kopp“!

Ist das noch achtsames Vorbeiziehen lassen?! Mein Geist hatte eine neue Beschäftigung jetzt über diese Frage zu sinieren…

Erzeuge ich nicht mit dem Wegdrücken von Gedanken eher einen Sturm im Kopf, so dass gleich der nächste Gedanke die Lücke auffüllen will?

Wie fühlt es sich also an, den Gedanken nur zu beobachten und in seiner Zeit wieder von der Bildfläche verschwinden zu sehen… ohne daran anzuhaften… ohne diese Gedankenwolke zu Vergrößern (mit mehr Grübeleien zum Thema) oder spontan verschwinden zu lassen (mit einem „Du darfst nicht da sein, also weg mit Dir – ich seh Dich gar nicht… lalala…“)?

Während ich also immer wieder meinen Fokus mit klarer Absicht und dem im Geist ausgesprochenen Gedanken: „Meine Absicht ist es, meinen Fokus auf das Spüren meines Atems im Körper zu richten!“ bekräftigte – wobei der Nebengedanke entstand: „Mist, warum muss ich  mir meine Absicht eigentlich denken?!“ – erkannte ich noch etwas Neues, was dabei in mir ablief:

Wer entscheidet eigentlich in mir, ob er denkt oder nur spürt?

Nur zu spüren, ohne Gedanken dabei zu generieren hat für mich in diesem Moment bedeutet: Ich muss (darf) mein Ich loslassen!

Mein Spüren benötigt kein Ich. Mein Denken jedoch schon.

Daher glaube ich jetzt erkannt zu haben, dass sich meine Gedanken so vehement aufdrängen, wenn mein Ich besonders gesehen werden will, wenn es sich nicht „unnötig“ fühlen möchte.

Ich schreibe das hier jetzt so einfach, doch die Wahrnehmung dabei ist so viel komplexer, diese entzieht sich jedoch noch meiner Formulierung.

 

Meine zwei Forschungsfragen, für die nächsten Meditationen lauten daher:

  1. Wie nehme ich den Unterschied zwischen Gedanken weg drücken / verpuffen lassen und vorbeiziehen lassen wahr?
  2. Wie ist es, wo spüre ich mein Ich bedroht, wenn es nur noch spürt in mir?

 

Schreibt mir gern, was Ihr dazu denkt oder bereits erlebt habt!

Alles Liebe!

Susanne

Der längste Weg beginnt mit dem 1. Schritt

Ein wunderschönes „Hallo!“ an alle meine Leser!

Ganz wichtig gleich zu Beginn: Ja, ich schreibe Leser – denn es gibt aus meiner Sicht vor allem Menschen und nicht die Unterscheidung zwischen Menschen und Menschinnen. Wen das massiv stört, der möge bitte darüber hinweg lesen oder sich im Rahmen der Selbstfürsorge doch lieber eine andere Website für sich finden…

Also: Hallo!

Heute habe ich den Entschluss gefasst, die ersten Zeilen auf meiner Website zu hinterlassen. Es darf beginnen und es wird sich entwickeln und ich freue mich über jeden, der Teil dieser Entwicklung sein möchte.

Häufig ist mein Kopf übervoll mit Ideen, doch dann ist es, als wollten all diese Ideen auf einmal durch eine winzig kleine Öffnung an das Licht der Welt geboren werden… und dann geschieht in mir der sogenannte Kreativitätsstau. Ich weiß gar nicht recht, womit ich beginnen soll… und dann lasse ich es lieber gleich!

Das hat jetzt ein Ende.

Ich habe beschlossen ab jetzt, meine Ideen raus zu lassen und dabei auch zu akzeptieren, dass Fehler entstehen dürfen, dass ich vielleicht mal gar nicht zufrieden bin, mit dem, was sich da aus meinem Geist in die Welt ergießt – doch woher soll ich wissen, wie es geht, lernen, was ich schreiben will, wenn ich nicht anfange es zu tun?

Darum ist dies jetzt, in diesem Moment, der 1. Schritt, mein 1. Schritt in eine für mich neue Welt.

Und genau das ist LEBEN!

…und dem gebe ich jetzt erstmal RAUM, in dem ich verarbeite, was hier gerade geschieht.

 

Wir lesen uns!

Herzlichst Susanne