Stau

hm… jetzt hab ich so schön flüssig mit diesem Blog gestartet… dann war ich im Retreat, hatte einen Haufen voll Schreib-Ideen… doch irgendwie ist Stau in meinem Kopf… und seit einiger Zeit kommt nix mehr hier an…

 

Nicht, dass ich nicht schreiben will, doch teilweise fühlt es sich an, wie das so genannte „Bottle neck“ … ein Flaschenhals, der zu eng ist, um all das, was gesagt werden will, ans Tageslicht zu befördern.

Hunderte Gedanken drängen sich ans Tageslicht, doch niemand kommt durch, weil alle zur gleichen Zeit „Hier!“ brüllen.

 

Wo kennt Ihr das noch, was passiert Euch, wo plötzlich so viel davon da ist, dass doch nichts passiert?!

 

Ein anderes wunderschönes Beispiel ist Aufräumen… man guckt in die Wohnung und denkt sich: „Oh ja, ich könnte mal wieder aufräumen…“ und noch während man überlegt, wo man denn nun starten will, setzt man sich doch lieber wieder mit einem Kaffee an den Tisch und plant noch etwas… bevor das große Aufräumkomando loslegen kann… und dann herrscht da wieder Gedankenstau… weil alles gleichzeitig gesehen und erledigt werden will…

 

Irgendwann hatte ich mal den Gedanken beim Autofahren… was ist, wenn es auf der Straße eng wird, z.B. durch eine Baustelle oder eine anderweitig unübersichtliche Stelle? Was tun wir dann normalerweise?

Richtig, langsamer werden, damit wir wieder einen Überblick bekommen. Nur wenige (aus meiner Sicht Irre oder sehr von der Umwelt getrennte) Menschen rasen durch solche Hindernisse hindurch.

Doch meist geht man auf die Bremse oder gibt zumindest nicht weiter Gas. Man lässt gerade noch so rollen.

 

Was heißt das für die Gedanken, für die Ideen, für den Tatendrang…

In meinem Fall oft einfach  nur: STOPP!

Setz‘ dich hin und warte, spüre Deine Füße auf dem Boden, spüre wie Dein Atem fließt, fühle Deinen Körper… und sobald ein drängender Gedanke anklopft, der mich wieder aufscheuchen will, sage ich weiterhin STOPP! und sitze noch länger… gucke diesen Gedanken an und sage zu ihm, bevor Du nicht ruhig wirst, dich entspannst und nicht mehr danach drängst, gedacht zu werden, werde ich mich hier nicht aus dieser STOPP-Haltung weg bewegen.

Und ich sage Euch, das ist soooo spannend:

Dann versteckt sich dieser Gedanke. Ist ganz „artig“ und still und ich denke „Oh, schön, es ist ruhig, dann kann ich jetzt ja wieder weitermachen.“ – und in dem Moment kommt der Tatendrang um die Ecke geschossen, wie ein Hund, der hört, dass es Fressen gibt!

HA! Dann guck ich die Flitzpiepe an (Sorry, aber genau hier passt dieses Berliner Wort wunderbar!) und sag „Ach, da bist Du ja. Dann bleib ich wohl noch was sitzen und achte auf meinen Atem, meine Füße…“ Und der Gedanke / der Impuls trottet schmollend wieder davon…

Das kann ein paar mal passieren. Und immer wieder heißt es STOPP! und keine Bewegung, weder körperlich noch geistig… nur warten und spüren…

Und irgendwann… irgendwann schaue ich mich in mir um und erblicke Frieden… und wenn ich dann wieder aufstehe, mich bewege, behutsam und achtsam, dann kommen leise und tiefe „Instruktionen“ meines Geistes, was jetzt das Nächste ist, was wirklich erforderlich zu tun ist. Ganz ohne „Ich muss da jetzt sofort ans Licht!“

Es ist einfach still und entfaltet sich auf ganz natürliche Weise…

 

Das funktioniert zumindest super, wenn ich nicht zwischen verschiedenen Terminen hänge, wenn da wirklich zeitlicher Raum ist.

Ich kann bisher so handeln, wenn ich die Termine nur mit mir ausgemacht habe. Sind es Termine mit anderen, wird es oft schwer… ich fühle mich genötigt die Erwartung zu erfüllen, statt zu tun, was mein System gerade verlangt.

Doch ich bin mir sicher, dass ich auch dafür, nach und nach eine Lösung finden werde.

Sei es, in dem ich im Vorfeld mit den Menschen über den Umgang mit meinem Leben rede, sei es, dass ich das Verschieben von Terminen besser und leichter organisiert bekomme und klarer kommunizieren kann oder sei es eine Lösung, die mir derzeit noch nicht vorliegt…

 

Was übrigens auch gut im Stau geht, mal zum Nachbar-Auto bzw. dem Mitwartenden zu gucken, Kontakt aufzunehmen, zu lächeln oder auf eine andere Art zu kommunizieren… zu erleben, dass gerade alle in der gleichen Situation „stecken“.

Wenn also meine Gedanken und Handlungen aufgrund der Fülle feststecken, vielleicht sollen sie sich in diesem Moment auch einfach einmal gegenseitig betrachten und untereinander in Kontakt kommen, bevor sie den Flaschenhals durchqueren und in die wunderschöne Freiheit hinaus fließen…

 

Wer weiß schon, wozu so ein Stau auch gut sein kann… 🙂

Aufgestaute Grüße

Susanne

Ankommen

Ankommen

 

Eintauchen

Still werden

Schwere überfällt den Körper

Der Geist getrennt, noch unterwegs

„Setze Dich und nimm Deinen Platz ein“

Atmen.

 

An- oder doch besser Ein-kommen?

Hinein-kommen und nicht nur dar-an.

Weg-lassen, Auf-lassen, Sein-lassen.

Ver-nehmen, Wahr-nehmen, An-nehmen.

Atmen.

 

Das Leben lebt in Allem.

Darauf kommt wer anerkennt,

wer im Rhythmus fließt,

wer die Stille hört.

Hier ist jetzt

Atmen.

Wenn Sehnsucht die Sucht sucht…

Was ist es, das uns antreibt die Dinge zu tun, die wir so tun?

Sei es jede Zeitung und alle Nachrichten studieren zu wollen; das Sportprogramm immer zu verfolgen und jedes Spiel der Lieblingsmannschaft miterleben zu wollen; jede Möglichkeit zum Treffen und Kommunizieren mit Freunden zu nutzen; alles und noch mehr lernen zu wollen und sich deshalb mit Büchern und Kursen vollzustopfen; zu Essen, weil es doch so lecker schmeckt, obwohl der Bauch schon auf das Zwerchfell drückt; doch noch das Glas oder gleich die ganze Flasche Wein zu trinken, auch wenn es am nächsten Morgen eigentlich früh raus heißt, einfach weil es gerade so schön ist; jedem und allem zu jeder Zeit helfen zu wollen und damit zu versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen…

 

Was ist es, das uns dazu antreibt all diese Dinge zu tun?

Sind es eigene Werte, gute Ideale, ein innerer Antrieb zu etwas hin oder doch mehr die Flucht z.B. vor dem aktuellen Leben, was sich ggf. gerade gar nicht so toll anfühlt und deshalb mit jedem Kick, mit jeder Befriedigung der Sehnsucht nach etwas Bestimmtem – das oft nicht genannt werden kann – überdeckt und ruhig gestellt wird?

Ist es überhaupt wichtig zu wissen, was es ist, solange einem dieses Tun gut tut?

 

Ich lerne gerade so viele Menschen mit einem sehr schnellen und offenen Geist kennen, Menschen deren Augen begeistert leuchten, wenn sie etwas neues gesehen, entdeckt, erfahren, erlebt haben, wenn sie sich getraut haben, etwas zu tun, was sie zuvor noch nie getan haben… wenn sie dieses Leuchten in Augen anderer sehen…

Sind all diese Menschen süchtig?

Müssen sie deshalb in eine Suchtklinik und behandelt werden?

„Herr Doktor ich kann nicht aufhören zu lernen und Gutes zu tun! Bitte helfen sie mir von dieser Sucht los zu kommen!“

???

 

Vermutlich ist dies eine Frage der eigenen Bewusstheit und wie es in der Medizin so schön heißt, eine Frage des Potentials der Eigen- und Fremdgefährdung bei diesem Tun.

Wenn ich anderen Menschen von mir aus helfe, gefährde ich damit vielleicht ihre Selbstbestimmtheit und ihr eigenes Können.

Wenn ich unendlich viel lerne gefährde ich vermutlich mein ruhiges Leben der Unwissenheit, weil ich plötzlich so viel mehr verstehe, erkenne und nach neuen Lösungen suche.

Das mag jetzt vielleicht etwas sarkastisch klingen, doch wo setzt ihr denn hier die Grenze des Gesunden vom Ungesunden?

Zumindest ist die Sache mit dem Bewusstsein z.B. beim Rauchen nachgewiesen: wer bewusst raucht und sich der Zigarette und seiner gewünschten Wirkung im Klaren ist (z.B. Entspannung, Ruhe, Hormonausschüttung) und sie mit diesem Wissen genießt, der schadet sich weit weniger, als jemand, der den Grundtenor: „Ich sollte mit den Rauchen aufhören…“ wie eine Schalplatte im Kopf abspult und dennoch unbewusst weiter eine Zigarette nach der Nächsten konsumiert.

 

Manchmal komme ich mir mit meinen Gedanken vor, wie in einem Spiegelkabinett… oder wie in der Mathematik die Bilder von Fraktalen, wenn der eine Gedanke, einen Gedanken, einen Gedanken, einen Gedanken usw. bildet…

 

In Wikipedia ist Sucht folgendermaßen beschrieben:

„Abhängigkeit (umgangssprachlich Sucht) bezeichnet in der Medizin das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und beeinträchtigt die sozialen Chancen eines Individuums. In den Fachgebieten Psychologie und Psychiatrie werden verschiedene Formen von Abhängigkeit beschrieben.“

„…das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand […] beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit…“

Was, wenn nun dieser Wunsch nach freier Entfaltung die Sucht ist, die Sehnsucht mit unseren Blogs und Postings und sonstigen Mitteilungen überall unserer Entfaltung Raum geben zu wollen?

Ab wann schränkt die Suche nach freier Entfaltung die freie Entfaltung ein?

 

Spätestens jetzt hab ich einen Knoten im Hirn. Und Ihr so?

 

Ich glaube, ich gehe jetzt erstmal was lernen oder helfe einem Menschen seine Einkäufe nachhause zu tragen… ich will doch schließlich was ER-LEBEN im Leben… 😉

 

Ver-suchende Grüße!

Susanne

Eine Geschichte des Gewahrseins

Es war einmal ein stattliches Kloster inmitten einer beschaulichen Kleinstadt. Die Bewohner dieser Stadt liebten dieses Kloster, mit seinen alten, teils moosbewachsenen Mauern, der Stille, die sich darin fand, einer Glückseligkeit, die es immerzu ausstrahlte.

Dieses Kloster war für Jedermann immer frei zugänglich und es gab einen ganz besonderen Ort in diesem Kloster, zu dem es die meisten Menschen, ohne genau zu wissen warum, immer wieder wie von Geisterhand hinzog.

Es war ein geräumiger rechteckiger Raum in dem sicherlich bis zu 60 Menschen gleichzeitig Platz gefunden hätten, mit einem Strohdach und glaßlosen Fenstern und türlosen Eingängen in den dicken Mauern. In diesem Raum war es immer angenehm warm, trotz der Offenheit gab es hier keinen Durchzug, sondern nur das angenehme Empfinden von freiem Atem. Und dieser Ort war durchzogen von besonderer Stille, die tiefer war als alles was je als Stille gehört werden konnte.

Kamen Menschen zu diesem Ort, voll mit Gedanken, Zweifeln, rumorendem Grübeln oder ungeheuerlichen Schmerzen in ihrem Körper, so geschah es von einem auf den anderen Moment, dass sie vergaßen, was sie bis gerade noch beschäftigte. Sie traten ein, suchten sich einen Platz im Raum, setzen sich und versanken in gütige Stille, als wenn sie zuvor nie etwas anderes getan hätten.

Eines Tages kam auch ich, gelockt von der Erzählung, zu diesem Kloster und betrat den besagten Raum. Dieser Raum war im ersten Moment leer, es war niemand zu sehen, doch spürte ich eine Kraft von einer Stirnseite des Raumes her. Ich setzte mich und fokussierte diese Kraft, die ich dort wahrzunehmen glaubte.

Nach einiger Zeit schien es mir wie ein Zauber, es tauchte plötzlich, wie aus dem Nichts eine Gestalt dort am Ende des Raumes auf. Leicht erhöht saß dort ein Mönch, gekleidet in ein dunkelbraunes, schlichtes Gewand, im Schneidersitz, die Hände in den Schoß gelegt, regungslos, freundlich lächelnd, in vollem Frieden mit sich und der Welt und hatte von dort den gesamten Raum mit seiner sanften Ausstrahlung im Blick.

Plötzlich sah er mich an und gab mir mit einer kleinen Geste zu verstehen, dass ich mich neben ihn setzen sollte und so aus seiner Sicht das Geschehen in diesem Raum wahrnehmen durfte.

Ich stand auf und bewegte mich vorsichtig zu ihm, keinen Laut verursachend und noch immer verwirrt über das, was sich soeben ereignete. Je näher ich dem Mönch kam, desto stärker nahm ich diese Kraft wahr, die mir schon zu Beginn aufgefallen war. Er lächelte ermutigend. Ich setze mich mit dem Blick in den Raum gewandt und wartete. Der leere Raum breitete sich vor mir aus, ich wunderte mich, weshalb mich der Mönch zu sich gerufen hatte. Ich blickte ihn fragend an, doch er schien wieder tief in die Mediation versunken und reagierte daher nicht auf meinen Blick.

Ich tat ihm gleich, hatte die Absicht mich auf meinen Atem zu fokussieren und einfach nur da zu sein, diese Situation hier wahrnehmen.

Da kamen Gedanken in meinen Sinn und ich fragte mich, wann wohl die ersten Menschen der Stadt hier auftauchen und sich hier in die Stille begeben würden… doch außer mir und dem Mönch an meiner Seite war niemand zu sehen.

Noch während ich diesen Gedanken zu Ende dachte, kam ein junger Mönch in diesen Raum. Er sah geschäftig aus, grübelnd und lief abwesend und in sich versunken quer polternd durch den Raum.

„Oh“, dachte ich freudig, „da ist ja der erste!“ …und schon kam ein weiterer junger Mönch, ebenso in das schlichte, dunkelbraune Gewand gekleidet, doch anders als der erste weit mehr beschwingt und lächelnd, sowie leichtfüßig in den Raum hinein.

Ich spürte plötzlich die Kraft des Mönches neben mir sehr deutlich, wie sie mich durchdrang und ich ein über den ganzen Körper verteiltes, inneres Prickeln wahrnahm. Dieser Moment machte mich hellwach, so dass ich meine Aufmerksamkeit wieder auf meinen Atem lenken wollte… doch diese Absicht wurde durchbrochen, von einem dritten Mönch, der plötzlich in den Raum eintrat und sich direkt den anderen beiden, bereits zuvor erschienen jungen Mönchen zuwandte und sie ansprach, sie mögen doch bitte nun endlich Platz nehmen und die Stille nicht weiter stören.

Da durchfuhr es mich durch Mark und Bein ohne, dass ich erschrak und ohne, dass ich irgendetwas hätte tun oder sagen oder denken wollen.

Ich beobachtete einfach die drei Mönche im Raum, wie der eine weiterhin grübelnd durch den Raum stapfte, der andere lächelnd durch den Raum hüpfte und sich beide nur wenig beeindruckt von den Anweisungen des letzten Mönches zeigten.

Doch dann, Einem nach dem Anderen wurde anscheinend etwas bewusst, wie sie dort standen und plötzlich zur Stirnseite des Raumes blickten, dort wo ich saß. Doch ich merkte, sie sahen nicht mich an. Sie sahen dort niemanden an. Und doch war es, als umfing sie eine Kraft, die sie plötzlich alles, weshalb sie hier waren, vergessen ließ und sie setzen sich und traten jeder selbst in die Stille des Raumes ein.

Und als ich das alles so vor mir geschehen sah, wollte ich dem Mönch neben mir mein Erstaunen nun doch irgendwie zum Ausdruck bringen. Doch wer oder was immer es auch war, der neben mir gesessen hatte, nun war er nicht mehr dort, nun saß ich allein, leicht erhöht an der Stirnseite des besonderen Raumes in diesem stattlichen Kloster der beschaulichen Kleinstadt und beobachtete als Gewahrsein diesen einen Moment.

Ein sanft-stürmischer Gastbeitrag

Das ist gerade alles so cool, weil ich seit langem mal wieder etwas mache, was ich zuvor noch nicht getan habe… und ich habe so was von keine Ahnung… und jeder Schritt ist, wie Geschenke auspacken an Weihnachten… zaghaft forschend (Ich war nie ein Aufreißer – mag ich nicht, zerstört für mich die Schönheit des Augenblicks).

 

Darum jetzt hier, einfach so im Blog, mein erster Gastbeitrag, den mir Sascha zugeschickt hat.

Er hat ein schönes Gedicht geschrieben, inspiriert von meinem Blog-Beitrag Über den Sturm und das Ich. Und darum möchte ich Euch das jetzt nicht vorenthalten:

 

Tadddaaa:

Wallendes Toben und Wogen um uns, 
alles ist Leben und Atem.
Die Zeit verrinnt, versiegt nur dann, 
wenn wir zweifeln und warten.
Sie fließt, wir können uns tragen lassen, 
auf unsichtbaren Schwingen. 
Es geschiet und atmet uns, 
wenn wir bereit sind mitzuklingen.

 

Vielen Dank, lieber Sascha, für diese sanft-stürmischen Worte!

Liebe Grüße

Susanne

 

 

Wie halte ich das nur aus???

„Das Arbeiten wäre so schön, wenn nur die Kunden nicht wären…“

„Ich fahre gern Auto, aber immer all diese Idioten um mich herum…“

„Ich weiß jetzt wie Achtsamkeit funktioniert – nur warum kapiert das keiner außer mir?!“

 

Wer kennt es nicht, sobald ich endlich einen Weg für mich gefunden habe, mit mir einigermaßen klar zu kommen, stürmt die Welt auf mich ein und nervt mich, ärgert mich, versteht einfach nicht, was ich eigentlich von ihr will…

 

Ich frage mich, was macht es uns so schwer die anderen und andere Umstände, die nicht so laufen, wie wir sie uns wünschen, zu akzeptieren oder zumindest damit gut umzugehen?

 

Wann haben wir gelernt unsere Bedürfnisse zu erkennen und auszudrücken?

Ich glaube, es hat damit zu tun, dass wir Angst haben unsere innerste Wahrheit preis zu geben. Wir glauben, wir sind es nicht wert, dass wir die Vorstellung XY von unserem Leben haben dürfen und diese auch vor anderen so stehen lassen können, ja, sie sogar einfordern können…

Wir spüren in uns ganz genau was „richtig“ ist, was sich gut anfühlt, doch wenn etwas von außen auf uns einwirkt, das nicht dazu passt, dann fühlen wir uns angegriffen. Und wir meckern und fluchen, ärgern uns und sind vielleicht – das ist aus meiner Sicht schon sehr tief im Kontakt mit der eigenen Wahrheit – traurig darüber.

Da „schreien“ also Bedürfnisse in uns, die doch bitte endlich gehört und gesehen werden wollen.

Und wenn wir sie dann gehört und gesehen haben, dann gilt es sie in dieser Situation passend zum Ausdruck zu bringen.

Doch wo und wann haben wir das wirklich gelernt?

Welche Eltern, welche Lehrer, welcher Arbeitgeber gibt einem derzeit den Raum zu üben, wie ich mein Bedürfnis, welches vielleicht gar nicht in den eigentlichen „Projektplan“, „Lehrplan“ oder sonstigen Plan passt, einfach mal formulieren zu können?

Welchen Nachbarn, Freunden, Verwandten, Menschen denen wir auf der Straße begegnen, würden wir uns trauen einfach unser aktuelles Bedürfnis mitzuteilen? Schwingt da nicht immer die Angst mit, der andere hört mich gar nicht, der andere fühlt sich direkt angegriffen und setzt, noch bevor mein letztes Wort gesagt ist, zum Gegenschlag an…?

Wir haben uns in Höflichkeit eingepfercht.

Wir haben gelernt immer höflich zu Eltern, Kunden, Lehrern, etc. zu sein. Doch was meint diese Höflichkeit? Doch meist nur dem anderen nach dem Mund zu reden, zu sagen, was ich glaube, was mein Gegenüber erwartet.

Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht darum den angemessenen Ton wegfallen zu lassen, sondern zu erkennen, ob der Inhalt, dessen was ich sagen will, aus mir selbst kommt, oder aus der gedachten Erwartung meines Gegenübers.

Und sogar im Beziehungskrach sage ich, was mein Gegenüber erwartet, wenn ich ihn z.B. anbrülle, ihn „schlecht“ mache anstelle von mir selbst zu sprechen, zu sagen was in mir passiert, was ich haben/erleben möchte und was ich nicht haben/erleben möchte.

Die Kämpfe, die wir da führen, sind eigentlich nur Kämpfe mit uns selbst…

Doch es braucht Mut, Ehrlichkeit, die Akzeptanz voll anzuerkennen, dass ich verletzlich bin und dass ich diese Verletzlichkeit der Welt zeigen kann, ja sogar muss, wenn ich will, dass mich die Menschen endlich so wahrnehmen, wie ich mich selbst erkenne.

Und dann ist nicht mehr die Frage, wie ich die anderen, sondern wie ich mich selbst aushalte…

 

Frage Dich also einfach beim nächsten mal, wenn der Gedanke kommt: „Wie halte ich das (den anderen/die Situation) nur aus?“

  • Was halte ich in mir gerade aus?
  • Welches Bedürfnis ruft in mir so laut, dass ich es selbst sehen kann?
  • Kann ich das, was ich in mir erkannt habe, so wie es ist voll anerkennen?
  • Wie kann ich mein Bedürfnis in diesem Moment zum Ausdruck bringen?

 

Ich wünsche Euch viel Freude beim Experimentieren und Er-Leben!

Liebe Grüße

Susanne

 

Über den Sturm und das Ich

Ich möchte mit Euch ein Erlebnis und die Gedanken dazu aus meiner letzten Meditation teilen:

Ich übe gerade fokussierte Aufmerksamkeit – und möchte bei der Meditation nur meinen Atem beobachten… doch immer wieder ertappe ich mich dabei, wie sich Gedanken wie Wolken vor meine Achtsamkeit schieben.

„Aha!“ – denk ich dann – ich kann diese Gedankenwolken ja vorbeiziehen lassen, so wie es mir erklärt wurde. Beobachten und Vorbeiziehen lassen. (So der Plan)

Tja, ich erlebte diesmal sehr deutlich etwas anderes. Es war kein Vorbeiziehen lassen, es war ein „schleunigst weiter drücken“… ein „hopp, hopp – raus aus meinem Kopp“!

Ist das noch achtsames Vorbeiziehen lassen?! Mein Geist hatte eine neue Beschäftigung jetzt über diese Frage zu sinieren…

Erzeuge ich nicht mit dem Wegdrücken von Gedanken eher einen Sturm im Kopf, so dass gleich der nächste Gedanke die Lücke auffüllen will?

Wie fühlt es sich also an, den Gedanken nur zu beobachten und in seiner Zeit wieder von der Bildfläche verschwinden zu sehen… ohne daran anzuhaften… ohne diese Gedankenwolke zu Vergrößern (mit mehr Grübeleien zum Thema) oder spontan verschwinden zu lassen (mit einem „Du darfst nicht da sein, also weg mit Dir – ich seh Dich gar nicht… lalala…“)?

Während ich also immer wieder meinen Fokus mit klarer Absicht und dem im Geist ausgesprochenen Gedanken: „Meine Absicht ist es, meinen Fokus auf das Spüren meines Atems im Körper zu richten!“ bekräftigte – wobei der Nebengedanke entstand: „Mist, warum muss ich  mir meine Absicht eigentlich denken?!“ – erkannte ich noch etwas Neues, was dabei in mir ablief:

Wer entscheidet eigentlich in mir, ob er denkt oder nur spürt?

Nur zu spüren, ohne Gedanken dabei zu generieren hat für mich in diesem Moment bedeutet: Ich muss (darf) mein Ich loslassen!

Mein Spüren benötigt kein Ich. Mein Denken jedoch schon.

Daher glaube ich jetzt erkannt zu haben, dass sich meine Gedanken so vehement aufdrängen, wenn mein Ich besonders gesehen werden will, wenn es sich nicht „unnötig“ fühlen möchte.

Ich schreibe das hier jetzt so einfach, doch die Wahrnehmung dabei ist so viel komplexer, diese entzieht sich jedoch noch meiner Formulierung.

 

Meine zwei Forschungsfragen, für die nächsten Meditationen lauten daher:

  1. Wie nehme ich den Unterschied zwischen Gedanken weg drücken / verpuffen lassen und vorbeiziehen lassen wahr?
  2. Wie ist es, wo spüre ich mein Ich bedroht, wenn es nur noch spürt in mir?

 

Schreibt mir gern, was Ihr dazu denkt oder bereits erlebt habt!

Alles Liebe!

Susanne