Wenn Sehnsucht die Sucht sucht…

Was ist es, das uns antreibt die Dinge zu tun, die wir so tun?

Sei es jede Zeitung und alle Nachrichten studieren zu wollen; das Sportprogramm immer zu verfolgen und jedes Spiel der Lieblingsmannschaft miterleben zu wollen; jede Möglichkeit zum Treffen und Kommunizieren mit Freunden zu nutzen; alles und noch mehr lernen zu wollen und sich deshalb mit Büchern und Kursen vollzustopfen; zu Essen, weil es doch so lecker schmeckt, obwohl der Bauch schon auf das Zwerchfell drückt; doch noch das Glas oder gleich die ganze Flasche Wein zu trinken, auch wenn es am nächsten Morgen eigentlich früh raus heißt, einfach weil es gerade so schön ist; jedem und allem zu jeder Zeit helfen zu wollen und damit zu versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen…

 

Was ist es, das uns dazu antreibt all diese Dinge zu tun?

Sind es eigene Werte, gute Ideale, ein innerer Antrieb zu etwas hin oder doch mehr die Flucht z.B. vor dem aktuellen Leben, was sich ggf. gerade gar nicht so toll anfühlt und deshalb mit jedem Kick, mit jeder Befriedigung der Sehnsucht nach etwas Bestimmtem – das oft nicht genannt werden kann – überdeckt und ruhig gestellt wird?

Ist es überhaupt wichtig zu wissen, was es ist, solange einem dieses Tun gut tut?

 

Ich lerne gerade so viele Menschen mit einem sehr schnellen und offenen Geist kennen, Menschen deren Augen begeistert leuchten, wenn sie etwas neues gesehen, entdeckt, erfahren, erlebt haben, wenn sie sich getraut haben, etwas zu tun, was sie zuvor noch nie getan haben… wenn sie dieses Leuchten in Augen anderer sehen…

Sind all diese Menschen süchtig?

Müssen sie deshalb in eine Suchtklinik und behandelt werden?

„Herr Doktor ich kann nicht aufhören zu lernen und Gutes zu tun! Bitte helfen sie mir von dieser Sucht los zu kommen!“

???

 

Vermutlich ist dies eine Frage der eigenen Bewusstheit und wie es in der Medizin so schön heißt, eine Frage des Potentials der Eigen- und Fremdgefährdung bei diesem Tun.

Wenn ich anderen Menschen von mir aus helfe, gefährde ich damit vielleicht ihre Selbstbestimmtheit und ihr eigenes Können.

Wenn ich unendlich viel lerne gefährde ich vermutlich mein ruhiges Leben der Unwissenheit, weil ich plötzlich so viel mehr verstehe, erkenne und nach neuen Lösungen suche.

Das mag jetzt vielleicht etwas sarkastisch klingen, doch wo setzt ihr denn hier die Grenze des Gesunden vom Ungesunden?

Zumindest ist die Sache mit dem Bewusstsein z.B. beim Rauchen nachgewiesen: wer bewusst raucht und sich der Zigarette und seiner gewünschten Wirkung im Klaren ist (z.B. Entspannung, Ruhe, Hormonausschüttung) und sie mit diesem Wissen genießt, der schadet sich weit weniger, als jemand, der den Grundtenor: „Ich sollte mit den Rauchen aufhören…“ wie eine Schalplatte im Kopf abspult und dennoch unbewusst weiter eine Zigarette nach der Nächsten konsumiert.

 

Manchmal komme ich mir mit meinen Gedanken vor, wie in einem Spiegelkabinett… oder wie in der Mathematik die Bilder von Fraktalen, wenn der eine Gedanke, einen Gedanken, einen Gedanken, einen Gedanken usw. bildet…

 

In Wikipedia ist Sucht folgendermaßen beschrieben:

„Abhängigkeit (umgangssprachlich Sucht) bezeichnet in der Medizin das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und beeinträchtigt die sozialen Chancen eines Individuums. In den Fachgebieten Psychologie und Psychiatrie werden verschiedene Formen von Abhängigkeit beschrieben.“

„…das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand […] beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit…“

Was, wenn nun dieser Wunsch nach freier Entfaltung die Sucht ist, die Sehnsucht mit unseren Blogs und Postings und sonstigen Mitteilungen überall unserer Entfaltung Raum geben zu wollen?

Ab wann schränkt die Suche nach freier Entfaltung die freie Entfaltung ein?

 

Spätestens jetzt hab ich einen Knoten im Hirn. Und Ihr so?

 

Ich glaube, ich gehe jetzt erstmal was lernen oder helfe einem Menschen seine Einkäufe nachhause zu tragen… ich will doch schließlich was ER-LEBEN im Leben… 😉

 

Ver-suchende Grüße!

Susanne